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Religiöse Bildung im Elementarbereich

Statt Halloween feiern wir jetzt St. Martin“

Eine qualitative Studie zu den Erfahrungen von Familien mit religiöser Bildung im Elementarbereich unter den Bedingungen vorherrschender Religionslosigkeit

"Galt bis vor Kurzem in Westdeutschland noch die Devise, dass Erziehung in der Familie stattfinde, der Kindergarten für ergänzende Betreuung zuständig sei und mit dem Schuleintritt der Bildungsweg beginne, so werden diese Zuordnungen heute grundlegend in Frage gestellt. Familien begegnen mehr denn je dem Anspruch, die Bildungsfähigkeit der Kinder zu verbessern, den Grundstein für qualifizierte Ausbildungen und Studienabschlüsse zu legen sowie für eine bessere Verwendbarkeit auf dem Arbeitsmarkt ('employability') zu sorgen. Dabei ist Bildung, wie Studien belegen, gerade in Deutschland nach wie vor von der sozialen Herkunft abhängig. Als einer der großen Bildungsträger kann die evangelische Kirche Familien bei der Erziehung im Hinblick auf Wertorientierungen und Identitätsbildung entscheidend unterstützen und Orientierungen bieten.“ Mit diesen Worten aus der Orientierungshilfe der EKD „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit- Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“1 verweist die Evangelische Kirche auf die seit den Ergebnissen der PISA Studie erfolgten Bestrebungen, die Qualität von Einrichtungen der Elementarpädagogik zu sichern und auszubauen. Die Etablierung einer Pädagogik der frühen Kindheit ist in Deutschland noch recht jung: Erst in den 1970er Jahren kristallisierte sich die Elementarpädagogik als Teildisziplin der Erziehungswissenschaften heraus und diese erlebt aktuell einen enormen Aufschwung.2Noch immer ist in der Subdisziplin „Pädagogik der frühen Kindheit“ das durch empirisch-analytische Forschung erhobene Wissensnetz „ausgesprochen lückenhaft“3. Gleichwohl nimmt die Erhebung direkter Informationen zu, jedoch spielen Kinder als Forschungssubjekte eine eher untergeordnete Rolle. Die Erhebung direkter Informationen erfolgt noch immer vornehmlich über Aussagenanalysen beteiligter Erwachsener4 und hier wiederum stehen die pädagogischen Fachkräfte im Zentrum des Interesses, da sie eine Schlüsselposition für die Bildungsprozesse im Elementarbereich inne haben. Eine erste Öffnung zum Thema religiöse Elementarbildung innerhalb der Religionspädagogik markieren die umfangreichen Arbeiten von Norbert Mette5, und Friedrich Schweitzer6. Jedoch kann dieser mittlerweile gewachsene Forschungsbereich innerhalb der Religionspädagogik  momentan nur auf wenige empirische Studien7 verweisen, die sich zudem fast ausschließlich auf den westdeutschen Erfahrungsraum beziehen. Welche Erfahrungen aber Eltern und Kinder im ostdeutschen Raum unter den Gegebenheiten einer „Kultur der Konfessionslosigkeit“8 machen, ist Gegenstand dieses Projektes der Forschungsstelle.

Zum Projektkindergarten wurde ein Kindergarten gewählt, der sich erst 2010 sich in die Trägerschaft einer evangelischen Kirchengemeinde begab.

Mittels der Triangulation unterschiedlicher Methoden qualitativer Forschung (Interviews, Teilnehmende Beobachtung aus der ethnografischen Feldforschung) sollen die Erfahrungen von Eltern und Kindern mit der evangelischen Profilierung eines ehemals kommunalen Kindergartens erhoben werden. Die Auswertung und Interpretation der erhobenen Daten sollen dazu dienen, weitere religionspädagogische Perspektiven für die religiöse Bildung im Elementarbereichs unter den Bedingungen vorherrschender Religionslosigkeit zu ershcließen. Das dreijährige Projekt startete am 01.03.2013.

1Kirchenamt der EKD, Zwischen Autonomie und Angewiesenheit, 2013, 15.

2Fried, Lilian/Roux, Susanne, Zwischen Wissenschaft und Ausbildung, ³2013, 13.

3A.a.O., 14.

4A.a.O., 17f.

5 Vgl. z.B. Voraussetzungen christlicher Elementarerziehung, 1983.

6 Vgl. z.B. Das Recht des Kindes auf Religion, 2000.

7 Vgl. Lischke- Eisinger,Lisa, Sinn, Werte und Religion in der Elementarpädagogik, 2012; Biesinger, Albert/Edelbrock, Anke/Schweitzer, Friedrich, Wie viele Götter sind im Himmel?,2010, dies., Auf die Eltern kommt es an!, 2011; Dies., Religiöse Vielfalt in der Kita?, 2012

8Pickel, Gert, Atheistischer Osten und gläubiger Westen?, in: Religion und Religiosität im vereinigten Deutschland, 2011, 44.

Kontakt

Sabine Blaszcyk Forschungsstelle Religiöse Kommunikations-und Lernprozesse Franckeplatz 1/3006099 Halle (Saale)

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